Basiswissen

Derivat ist der Begriff für Optionsscheine, Futures und andere derivative Finanzprodukte.

Optionsscheine sind Wertpapiere, die einem Käufer das Recht gewähren, eine bestimmte Anzahl eines Basisprodukts (z.B. einer Aktie) zu einem bestimmten Preis (sog. Basispreis) und zu einem bestimmten Zeitpunkt zu verkaufen oder zu kaufen. Gehandelt werden hierbei Kaufoptionen (Call) und Verkaufsoptionen (Put).

Bei einem Future handelt es sich um ein Termingeschäft, das auf einem bestimmten Basisprodukt basiert. Es verpflichtet den Erwerber eines Futures eine bestimmte Menge des zugrundeliegendes Basiswerts zu einem bestimmten zukünftigen Zeitpunkt und zu einem vorher bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Der Verkäufer des Geschäfts unterliegt denselben Bedingungen des Kontrakts, nur eben spiegelbildlich. Gehandelt werden bei solchen Termingeschäften Short- oder Longpositionen.


Wie ensteht der Wert eines Derivats?

Der wirtschaftliche Wert eines Derivats leitet sich von einem anderen Basisprodukt ab, zum Beispiel von einem Wertpapier, also einer Anleihe oder einer Aktie. Ein Derivat kann aber auch von Rohstoffpreisen und Indizes abgeleitet werden, die dann als Basisprodukt mit einem gewissen Basispreis dienen. Ein Derivat steigt oder fällt im Wert, je nachdem wie sich das zugrundeliegende Basisprodukt entwickelt. Den Gewinn oder Verlust zieht das Derivat meistens in einem überproportionalen Maßstab mithilfe eines Hebels nach.

Mithilfe eines Derivats kann man vom Anstieg oder Fall eines bestimmten Basisprodukts in überproportionaler Form profitieren, ohne das eigentliche Basisprodukt kaufen zu müssen.

Möchte man zum Beispiel auf die positive Wertentwicklung einer Aktie wetten, so kauft man ein Derivat auf diese Aktie. In unserem Beispiel liegt der Preis einer Aktie der Firma XYZ bei 1000 € und der Preis des dazugehörigen Derivats bei 10 €, das  Bezugsverhältnis ist 1:1. Haben wir nun Recht und der Preis der Aktie steigt um 10% auf 1100 €, so steigt auch unser Derivat mit dem Abbildungsverhältnis 1:1 um 10% auf 11€. Noch riskanter wird es durch einen zusätzlichen Hebel, der die Entwicklung einer Aktie zum Beispiel verfünffacht. Beträgt der Hebel bei unserem oberen Beispiel 5, so würde der Preis unseres Derivats bei einem Anstieg der Aktie um 10%, um 50% steigen. Ein Geschäft mit Derivaten und Hebelprodukten ist sehr riskant und kompliziert und deshalb nichts für Anleger, die sich gerade am Anfang ihrer „Börsenlaufbahn“ befinden.

Neben der oben beschriebenen Spekulation auf Kursgewinne, kann man ein Derivat auch zur Absicherung von Wertverlusten einsetzen (Risikoabsicherung).

Für den Hebel eines Finanzprodukts gilt:

(Kurs des Basiswerts * Bezugsverhältnis) / Kurs des Optionsscheins

Der Basiswert kann eine Aktie, ein Rohstoff oder ein Index sein. Das Bezugsverhältnis beschreibt das Verhältnis zwischen der Entwicklung des Basiswerts und der Entwicklung des Optionsschein oder Hebelprodukts. Bei einem Bezugsverhältnis von 1 : 1 steigt der Wert des Optionsscheins um 1 %, wenn der Wert des Basispreis um 1 % steigt. Der Kurs des Optionsschein ist der Wert, zudem der Optionsschein an der Börse gehandelt wird. 

Für den inneren Wert eines Optionsscheins oder Hebel- bzw. Knock-Out-Produkts gilt:

(Kurs des Basiswerts – Basispreis) * Bezugsverhältnis

Der Basispreis ist hierbei der von Anfang an festgelegten Preis, zudem der Erwerber des Optionsscheins o.ä. den Basiswert (z.B. eine Aktie) verkaufen oder kaufen kann. Bei manchen Knock-Out-Produkten ist der Basispreis die sogenannte Knock-Out-Schwelle, ab der das Knock-Out-Produkt wertlos ist. 


Kritik

Derivate sind vor allem in den letzten Jahrzehnten in die Kritik geraten, da sie sehr spekulativ sind und in der Vergangenheit zum Beispiel Rohstoffpreise schon unnötig und künstlich in die Höhe getrieben haben. Der Wert aller Derivate (Wetten und Risikoabsicherungen) auf dem Markt lag 2016 bei 483 Billionen US-Dollar und damit deutlicher höher als der Wert aller anderen Geschäfte.